Stephan Bratek
Stephan Bratek
Stephan Bratek persönlich & privat
Stephan Bratek persönlich & privat 

Freundschaft ist, wenn dich einer für gutes Schwimmen lobt,

nachdem du beim Segeln gekentert bist.

 

-Werner Schneyder-

 

Freunde können Leben retten

Eines Tages, ich war gerade das erste Jahr in der Schule, sah ich ein Kind aus meiner Klasse nach Hause gehen. Sein Name war Michael. Es sah so aus, als würde er alle Bücher mit sich tragen. "Warum bringt wohl jemand seine ganzen Bücher an einem Freitag nach Hause? Das muss ja ein richtiger Dummkopf sein."

 

Mein Wochenende hatte ich schon verplant mit meinen Freunden, also zuckte ich mit den Schultern und ging weiter. Als ich weiter ging, sah ich eine Gruppe Kinder in seine Richtung laufen.

 

Sie rempelten ihn an, schlugen ihm seine Bücher aus den Armen und schubsten ihn so, dass er in den Schmutz fiel. Seine Brille flog durch die Luft und ich beobachtete, wie sie etwa drei Meter neben ihn im Gras landete. Er schaute auf und ich sah diese schreckliche Traurigkeit in seinen Augen.

Mein Herz wurde weich. Ich ging zu ihm rüber, er kroch am Boden umher und suchte seine Brille. Ich sah Tränen in seinen Augen. Als ich ihm seine Brille gab, sagte ich: "Diese Typen sind Blödmänner." Er schaute zu mir auf und sagte: "Danke!

" Ein großes Lächeln" zierte sein Gesicht. Es war eines jener Lächeln, die wirkliche Dankbarkeit zeigten.

 

Ich half ihm, seine Bücher aufzuheben und fragte ihn, wo er wohnt. Es stellte sich heraus, dass er in meiner Nähe wohnt, also fragte ich ihn, warum ich ihn vorher nie gesehen habe. Er erzählte mir, dass er zuvor  auf einer anderen  Schule war. Den ganzen Nachhauseweg unterhielten wir uns und ich trug seine Bücher. Er war eigentlich ein richtig cooler Kerl.

 

Ich fragte ihn, ob er Lust hätte, mit mir und meinen Freunden am Samstag Fußball zu spielen. Er sagte zu. Wir verbrachten das ganze Wochenende zusammen und je mehr ich Michael kennenlernte, desto mehr mochte ich ihn. Und meine Freunde dachten genauso über ihn.

 

Es begann die neue Schulwoche und auch Michael mit dem riesigen Bücherstapel war wieder da. Ich stoppte ihn und sagte: "Oh man, mit diesen ganzen Büchern wirst du eines Tages noch mal richtige Muskeln bekommen." Er lachte und gab mir einen Teil der Bücher. Während der kommenden Jahre wurden Michael und ich richtig gute Freunde.

 

Als wir älter wurden, dachten wir über das Studium nach. Unsere Wege trennten sich durch unterschiedliche Studienorte. Ich wusste, dass wir immer Freunde sein werden und diese Kilometer zwischen uns niemals ein Problem darstellen würden.

 

Michael war Abschlussredner unserer Klasse. Ich neckte ihn die ganze Zeit, indem ich sagte, er sei ein Dummkopf. Er musste eine Rede für den Schulabschluss vorbereiten. Ich war so froh, dass ich nicht derjenige war, der sprechen musste.

 

Michael sah am Abschlusstag großartig aus. Er war einer von denen, die während der Schule zu sich selber finden und ihren eigenen Stil entwickeln konnten. Er hatte mehr Verabredungen als ich und alle Mädchen mochten ihn. Manchmal war ich richtig neidisch auf ihn. Heute war einer dieser Tage.

 

Ich konnte sehen, dass er wegen seiner Rede sehr nervös war. Ich gab ihm einen Klaps auf den Hintern und sagte: "Hey, großer Junge, du wirst großartig sein!" Er sah mich mit einem jener Blicke - die wirklich dankbaren - an und lächelte. "Danke".

 

Als er seine Rede begann, räusperte er sich kurz und fing an.

 

"Der Abschluss ist eine Zeit, um denen zu danken, die dir helfen, diese schweren Jahre zu überstehen. Deinen Eltern, deinen Geschwistern, deinen Lehrern, vielleicht einem Trainer,

aber am meisten deinen Freunden. Ich sage euch, das beste Geschenk, dass ihr jemanden geben könnt, ist eure Freundschaft.

Lasst mich euch eine Geschichte erzählen."

 

Ich schaute meinen Freund etwas ungläubig an, als er von dem Tag erzählte, an dem wir uns das erste Mal trafen. Er hatte geplant, sich an diesem Wochenende umzubringen.

 

Er erzählte weiter, dass er seinen Schrank in der Schule ausgeräumt hat, so dass seine Mutter es später nicht tun müsste und trug sein Zeug nach Hause.

 

Er schaute mich an und lächelte.

"Gott sein Dank, ich wurde gerettet."

Mein Freund hat mich vor dieser unsäglichen Sache bewahrt."

 

Ich konnte spüren, wie die Masse den Atem anhielt, als dieser gutaussehende, beliebte Junge uns von seinem schwersten Augenblick im Leben erzählte.

 

Ich bemerkte, wie seine Mutter und sein Vater lächelnd zu mir herübersahen, genau dasselbe dankbare Lächeln.

Niemals zuvor spürte ich solch eine tiefe Verbundenheit.

 

Unterschätze niemals die Macht deines Handelns!

 

Durch eine kleine Geste kannst du das Leben einer Person verändern. Zum Guten oder zum Bösen. Die Schöpfung setzt uns alle ins Leben des anderen, um uns gegenseitig zu beeinflussen, auf jede Art und Weise.

 

Und manchmal kannst Du damit auch ein Leben retten!

 

 

-Verfasser unbekannt-

       

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© Stephan Bratek, Plochingen 2019